verpatztes Workcamp und letzte Tage

Hallo,

da bin ich wieder in Kundapur und habe vor lauter Stress im dann doch nicht mehr so geilen Workcamp keine Musse mehr gehabt, darueber zu berichten.

Also erzaehle ich euch die Geschichte jetzt:

Den letzten Eintrag habe ich wahrscheinlich am dritten Tag des Camps geschrieben, wo noch alles schoen, die Leute zufrieden und das meiste im Lot war. Dann am Abend direkt, nachdem ich gerade in meinen Blog geschrieben hatte, wie “nett” die Kanadiern doch sei und ich nicht verstehen wuerde, warum Deepak ein Problem mit ihr haette, ist es zur Explosion gekommen und das erste Workcampdrama entfaltete sich:

Da zum Zeitpunkt der Ankunft der Freiwilligen nur 7 Raeume mit der Kapazitaet von 16 Betten bereit stand, aber 25 Freiwillige eintrafen und die Matratzen erst nach dem Zaehlen der angekommenen Freiwilligen angeschafft wurden, kam es dazu, dass fuer 3 Freiwillige nur sehr kurze und duenne Matrazen geliefert wurden, womit sich 2 Leute nicht abfinden wollten, u.a. Barbara, 40 something aus Kanada. Ihr wurde bis zum naechsten Tag eine dickere Matratze versprochen und Deepak dafuer verantwortlich gemacht. Bis zum uebernaechsten Abend war jedoch noch keine dickere Matratze eingetroffen, sondern jeweils nur zwei der gleichen Art zum drueberlegen, was Barbara auch nicht hinnehmen wollte. Sie fuehlte sich verraten und wollte umgehend eine dicke Matraze, die ich dann persoenlich organsieren wollte, aber von Deepak und Mr. Padhmanabhan, dem alten Koordinator abgehalten wurde. Es war ein Hin-und Her in dem Barbara immer furiger wurde, Deepak immer mehr in die Defensive ging und der abwesende Mr. Padhmanabhan auf seiner Position verharrte. Ich rief Daya an und bat ihn um seine Meinung und er sagte, es muesse eine Matraze angeschafft werden. Ich war drauf und dran, doch dann war es schon 9 Uhr abends und die Geschaefte hatten geschlossen. Die vor Wut schnaubende Barbara hatte ihren Entschluss gefasst, packte ihre Sachen und verliess dramatisch das Camp.

Das war der erste Streich. Am naechsten Morgen waren auf wundersame Weise 2 dicke Matrazen arrangiert worden und das Camp konnte beginnen.

Am Mittag gingen wir zusammen zu einer Behindertenschule mit angeschlossenem Kindergarten, wo wir eigentlich fuer den ganzen Tag hinkommen sollten. Doch da wir zu viele Freiwillige waren und es zu wenig Arbeit gab, mussten wir den Nachmittag mit der Unterrichtsplanung der naechsten Tage verbringen, was allerdings auch nicht schlecht war. Dann war es Donnerstag und wir gingen zu einer Highschool, in der wir fuer die 3 Wochen unterrichten sollten. Allerdings durften wir nur eine Stunde anstatt der vereinbarten 2 bleiben und die Freiwilligen hatten unerwartet Freizeit. Am Freitag durften wir einmal fuer 2 Stunden bleiben, doch am Montag und Dienstag der folgenden Woche waren leider auf einmal Exams angesagt, weswegen wir nicht in die Schule gehen konnten und wir eine neue Loesung finden mussten. Die war dann der Besuch einer Blindenschule fuer 2 Stunden, in der wir ohne den zu spaet kommenden Mr. Padhmanabhan nicht haetten arbeiten koennen, weil die Kinder nur Malaialam sprachen. Dort konnten wir jedoch nur einen Tag sein und es musste eine weitere Schule gefunden werden, um unsere Freiwilligen zu “beschaeftigen”. Die waren mittlerweile schon recht unmutig, weil sie sich nicht gebraucht und ihr Arbeit nicht als hilfreich empfanden. Sie fuehlten sich eher wie Clowns vor den Kindern und monierten den Mangel an ernsthaftem Bedarf fuer ihren freiwilligen Dienst. Ausserdem hatte es seit dem Beginn des Camps jeden Tag das gleiche Essen gegeben, was selbst mir, als erprobte Fishcurry in Hostfamily Esserin bald aus dem Halse heraushing. Der Ayurvedaunterricht entsprach ungluecklicherweise auch nicht den Vorstellungen der Mehrzahl der Freiwilligen, da diese mit praktischer Arbeit, Treatment-Vorfuehrungen oder Sonstwas gerechnet hatten und nicht mit schulaehnlichen Vorlesungen durch englisch radebrechende indische Doktoren. Die Haelfte der Freiwilligen blieb dem Ayurvedaunterricht demnach schon nach dem 2. Mal fern und die andere Haelfte schlief waehrend des Unterrichts durch. In den folgenden Tagen kamen immer weniger zum Unterricht, bis ich am ersten Freitag mit nur 5 anderen im Klassenraum sass, was sich bis zum naechsten Freitag auf 2 reduzierte. Der Yogaunterricht wurde dagegen recht gut angenommen, doch da er fuer 2 Stunden von 6.30 bis 8.30 Uhr morgens angesetzt und die Leute den Hang hatten, bis um 1 Uhr morgens draussen Bier zu trinken, wurde auch dort die Zahl der Teilnehmer immer geringer. Die Daily Meetings waren gepraegt von einer recht agessiven, anklagenden, negativen Stimmung und ich konnte von Glueck sagen, dass ich mein Zimmer mit so netten, unterstuetzenden und postiven Maedels teilte, die mich tagtaeglich wieder aufbauten. Nicht, dass ich jemals so fertig war, wie in Dharamsala aber ich war schliesslich auf mich allein gestellt und die gesamte Last der Organisation lastete auf meinen Schultern. Am Freitag hauten dann 5 Franzosen und 1 Grieche vorzeitig ab, was angeblich “gar nichts mit dem Camp zu tun gehabt” haette , die “einfach nur mehr Zeit zum Reisen braeuchten” und so war nach dem Wochenende (das ich schoen bei viiiel Schokokuchen und westlichem Essen in Cochin verbrachte) auf 18 Leute reduziert. Im Laufe der Woche verabschiedeten sich troepfchenweise mehr und mehr Leute, auch am Mittwoch meine Zimmergenossinnen, denen ich dann kurzentschlossen am Donnerstagabend nach Hampi folgte. Das war noch schoen, aber ich war echt froh, dieses bloede Camp mit dem vielen Regen, immergleichen Essen und der schlechten Stimmung entronnen zu sein.

Jetzt bin ich wieder in Kundapur und tuedel so vor mich hin und lasse die letzten zwei Wochen hier leasurely vergehen.

Wir sehen uns alle bald!!!

Viele Greusse, eure Mareike

3.8.09 06:11

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